Dienstag, 23. Dezember 2014

'Die Wolken von Sils Maria' ist in Deutschland angelaufen..

..und wer es in der vergangenen Woche noch nicht ins Kino von euch geschafft hat, dem können wir nur ans Herz legen: NEHMT EUCH DIE ZEIT! Es lohnt sich wirklich!! :)

Wir waren vergangenen Donnerstag gleich im Cinema Paris in Berlin (Kurfürstendamm/Uhlandstraße) und haben uns mega doll über die tolle große Filmplakatwerbung (gemalt!), Schaufensterdeko und all die Banner gefreut. Hier ein paar Fotos:


Hier habt ihr die Kinos auf einem Blick. Ist eure Stadt nicht aufgeführt, könnt ihr hier anfragen, ob COSM in eurer Umgebung gezeigt wird.

Diejenigen unter euch, die noch überlegen, ob sich ein Kinobesuch lohnen wird, sollten unbedingt den nachfolgenden Artikel von Zeit Online lesen. Kurz gesagt: der Artikel hätte von uns stammen können. Dies waren so ziemlich genau unsere Worte, als wir aus dem Kino kamen. Und ganz nebenbei ist es wohl der mit Abstand beste Artikel über Kristen, den ich je gelesen habe!

Bella heißt endlich Kristen

Kristen Stewart spielt richtig gut. Das zeigt sie derzeit in "Sils Maria". Überraschend? Eher ein Beleg für ihren Masterplan, eine große Schauspielkünstlerin zu werden. 

Kristen Stewart wirkt ziemlich runtergerockt. Dunkle Ringe zeichnen sich um die Augen ab und ihre Schneewittchenhaut hat diesen milchigen Glanz verloren, um den eine ganze Generation weiblicher Teenager sie beneidet. Dieser denkwürdige Auftritt in Olivier Assayas' neuem Film Die Wolken von Sils Maria sieht eindeutig nach durchgemachter Nacht mit zu vielen Drogen und zu viel Sex aus. Jüngere Stewart-Fans dürfte das noch immer nachhaltig irritieren, obwohl die heute 24-Jährige schon früher ein Faible für den Rock-'n'-Roll-Lebenswandel bewiesen hat. In dem Musik-Biopic The Runaways spielte sie 2010 sogar die Queen of Rock 'n' Roll persönlich, Joan Jett. Auf die aberwitzige Idee, Kristen Stewart für die Rolle des netten Mädchens von Nebenan zu besetzen, ist glücklicherweise nie ein Regisseur gekommen. Eigentlich hat sie sich in den meisten Filmen lieber auf die Seite der Außenseiter geschlagen – oder diese gleich selbst gespielt.
Im ersten Twilight-Film wundert sich dann auch eine der Queen Bees an der neuen Highschool über Bellas blassen Teint, den man an keinem Mädchen aus dem sonnigen Arizona vermuten würde. Kristen Stewart ist vermutlich im verregneten Nordwesten Amerikas mit seinen tiefen, geheimnisvollen Wäldern viel besser aufgehoben. Ihre attraktive Mischung aus tomboyhafter Rotzigkeit, der ihre dunkle Stimme noch mehr Nachdruck verleiht, und romantischer Melancholie findet in der märchenhaften, unbeherrschten Natur eine schöne Resonanz. Insofern passt gut ins Bild, dass Kristen Stewart in der Rolle eines Mädchens berühmt wurde, das sich nicht zwischen ihren Gefühlen für einen Vampir und einen Werwolf entscheiden kann. Allerdings verschlugen sie die Twilight-Filme auch an einen Ort, der ihr bis heute nicht geheuer ist: ins Rampenlicht.

Weiter geht's nach dem *KLICK*.



Die Wolken von Sils Maria ist Kristen Stewarts erster Film nach zweijähriger Pause. 2012 kamen kurz hintereinander der letzte Teil der Twilight-Reihe und die sehr freie Grimm-Adaption Snow White and the Huntsman in die Kinos. Letzterer sollte Stewart helfen, ihr Bella-Image der romantischen Heroine in eine ungewisse Post-Twilight-Zukunft hinüberzuretten. Doch während ihre gleichaltrige Kollegin Jennifer Lawrence mit Tribute von Panem den Sprung vom Teeniestar zur Actionheldin mühelos vollzog, hatte Stewart schon in früheren Filmrollen – als minderjährige Stripperin in dem Ehedrama Willkommen bei den Rileys und als emotional verwirrter Teenager in der durchaus ernsten Highschool-Komödie Adventureland – angedeutet, dass ihr das Image des Postergirls nicht passte.
So stand sie mit Anfang zwanzig eher zufällig auf dem frühen Höhepunkt ihrer Karriere – und musste erfahren, was es heißt, einem medialen Shitstorm ausgesetzt zu sein. Paparazzi-Bilder mit Huntsman-Regisseur Rupert Sanders führten zum Ende ihrer filmreifen Romanze mit Twilight-Partner Robert Pattinson und raubten ihr den Nimbus des unschuldigen Teenagers, da Fans nun mal dazu neigen, Stars und deren Rollen zu verwechseln. Für Stewart, die daraufhin einen öffentlichkeitswirksamen Bußgang durch die Medien antrat, war dieser Zwischenfall traumatisch – und gleichzeitig eine Befreiung.

Vor diesem Hintergrund ist ihre Besetzung als Val, der persönlichen Assistentin des Filmstars Maria Enders (Juliette Binoche), ein kluger Schritt. "Kino imitiert Leben imitiert Kino", hat Stewart über Die Wolken von Sils Maria gesagt, ausgerechnet eine europäische Arthouse-Produktion, dem denkbar größten Gegensatz zum Medien- und Aufmerksamkeitsrummel, der Stewart seit dem ersten Twilight-Film umgibt. Assayas Film handelt von eben diesen Gegensätzen: Hollywood/Europa, Kunst/Kommerz, Selbstbild/Fremdwahrnehmung, alt/jung. Maria Enders erhält das Angebot, eine Rolle aus einem früheren Film wieder aufzunehmen – vielmehr die Rolle deren älterer Nemesis, während der 18-jährige Shootingstar Jo-Ann die Figur spielen soll, mit der die Enders einst Weltruhm erlangte. Enders Nachfolgerin wird von Chloë Grace Moretz mit latenter Skandalträchtigkeit im Stile einer Lindsay Lohan gespielt.
Stewart steht in diesem Konflikt scheinbar diskret am Rande. Für ihre Mentorin und Chefin Enders empfindet Val tiefen Respekt, aber die junge Schauspielerin, die sich nimmt, was sie will, und sich ungeschützt in ihre Rollen stürzt, steht ihr persönlich näher. Man kann Kristen Stewart auch als Spiegelbild von Jo-Ann verstehen. Sie tritt im Film gewissermaßen als Kronzeugin auf: der lebendige Beweis für die Schattenseiten des Berühmtseins. Die beiläufigen Einstellungen auf ihr spitzes, immer noch mädchenhaftes Gesicht, dem die etwas zu große Hipsterbrille eine ungewohnte Ernsthaftigkeit verleiht, erzählen von der Erschöpfung, den das Glamourleben auf der Überholspur mit sich bringt. Assayas selbstbezügliches Spiel mit dem Kino und Hollywood wäre ohne Kristen Stewart und ihre Geschichte um einiges uninteressanter.  
Die Wolken von Sils Maria ist nur der erste in einer Reihe von, man könnte sagen, Comeback-Filmen, mit denen Kristen Stewart die zweite Phase ihrer Karriere einleitet. In dem Guantanamo-Film Camp X-Ray spielt sie eine Aufseherin, die eine unmögliche Freundschaft mit einem Gefangenen eingeht. Dass der Film nicht in jeder Hinsicht gelungen ist, spielt dabei weniger eine Rolle als die Überzeugungskraft, mit der sich Stewart in die Rolle stürzt. Ein wenig eben wie Jo-Ann. Kristen Stewart hatte wie so viele ehemalige Teeniestars lange mit der Häme älterer (und nicht ausschließlich männlicher) Kritiker leben müssen, die ihr Spiel zu eindimensional und ihre Mimik zu begrenzt fanden. Gerade ist sie dabei, diese Kritiker auf eindrucksvolle Weise zu widerlegen.

Im März ist Kristen Stewart an der Seite von Julianne Moore und Alec Baldwin in dem Alzheimer-Drama Still Alice zu sehen. Wieder spielt sie eine rebellische Tochter, die ihr Ding durchzieht, doch angesichts der Krankheit der Mutter lernen muss, die eigenen Ansprüche herunterzufahren und Verantwortung zu übernehmen. Für Kristen Stewart ist es die richtige Rolle zum richtigen Zeitpunkt. Gäbe es eine Autorentheorie der Schauspielerei, ließe sich anhand ihrer jüngsten Rollen sehr schön nachvollziehen, wie sie in ihren Filmen erwachsen wird. Bella-Fans müssen sich mit diesem Gedanken anfreunden. Alle anderen dürfen sich glücklich schätzen mitzuerleben, wie Kristen Stewart, deren tastende Unsicherheit sich noch in vielen ihrer gebrochenen Figuren spiegelt, in den kommenden Jahren zu einer kompletten Darstellerin reift.

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